Institut für Archäologische Wissenschaften

TanDEM-X Daten in der Archäologischen Feldforschung

In Zusammenarbeit mit dem Geographischen Institut der Universität Göttingen (Dr. Stefan Erasmi) untersucht ein Team des IAW (Mirko Novák, Ralph Rosenbauer, Susanne Rutishauser) unter dem Titel „The potential of TanDEM-X data for archaeological prospection - case studies in Plain Cilicia, Turkey“ die Einsatzmöglichkeiten von TanDEM-X Daten in der archäologischen Forschung.

Das in öffentlich-privater Partnerschaft zwischen dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und verschiedenen Unternehmen umgesetzte TanDEM-X-Projekt (TerraSAR-X-Add-on for Digital Elevation Measurements) hat eine möglichst detaillierte sterographische Erfassung der Erdoberfläche zum Ziel. Zu diesem Zweck wurde der bereits seit Anfang 2008 im Einsatz stehende TerraSAR-X-Satellit seit dem Juni 2010 um einen weiteren Satelliten ergänzt, so dass die „Zwillingsmission“ interferometrische Aufnahmen erlaubt, die die Grundlage für hochauflösende Höhenmodelle der Erdoberfläche bilden.

Bildrechte: DLR

TanDEM-X Daten stellen aus mehreren Gründen eine sehr vielversprechende Datenquelle für die Archäologie dar: Zum einen erlauben die detaillierten Höhenmodelle bei der Rekonstruktion der Siedlungsstruktur von einzelnen Kulturkammern Rückschlüsse auf antike Verkehrswege wie (mittlerweile verlandete oder verlagerte) Flüsse und Strassen. Zum anderen sind die digitalen Höhenmodelle aufgrund ihrer guten räumlichen Auslösung geeignet, ausgedehnte archäologische Bodenbefunde (z.B. Siedlungsmauern aber auch Flusshafenbecken) etc. sichtbar zu machen. Durch die Nutzung des X-Bandes ergeben sich zudem Eindringeffekte, die in der Lage sind, Hinweise auf unterirdische Strukturen zu geben.

Kilikien bietet ein ideales Forschungsfeld für die Evaluierung dieser Daten: Durch die seit 2006 bzw. 2010 durchgeführten Surveys am Kap Karataṣ (Magarsos) und auf dem Uzunoǧlan Tepesi stehen bereits detaillierte Referenzdaten zur Verfügung, die einen direkten Vergleich zwischen Höhenmodellen, die mit Echtzeit-GPS bzw. stereophotogrammetrisch aus Luftbildern gewonnen wurden erlauben. Durch die Grabungen am Sirkeli Höyük besteht die Möglichkeit, die in den TanDEM-X-Daten erfassten Anomalien vor Ort zu untersuchen und damit Erkenntnisse über das Eindringverhalten von X-Band Wellen zu erhalten.

Zusammenarbeit mit der JAXA

Im März 2013 wurde das Projekt "The potential of L-Band SAR-Radardata for the prospection of buried archaeological features - case studies in Plain Cilicia (Turkey) and the deserts of Egypt" von der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) genehmigt. Somit stehen vermutlich ab 2014 nicht nur X- sondern auch L-Band Radardaten für die Erforschung archäologischer Stätten zur Verfügung.

Während erstere vor allem die Generierung hochauflösender digitaler Oberflächenmodelle erlauben, versprechen die Daten des Japanischen ALOS PALSAR-2 Satelliten einen Blick unter die Oberfläche: gerade im trockenen Klima werden sich heute nicht mehr an der Oberfläche sichtbare Strukturen wie z.B. Wadis komfortabel kartieren lassen.