Institut für Archäologische Wissenschaften

Forschungsprojekte

Chronologie, Mobilität und Kulturtransfer am Beispiel einer inneralpinen Siedlungslandschaft.

Eine landschaftsarchäologische Untersuchung des zentralen Alpenraums.

Die Alpen sind im südlichen Mitteleuropa Barriere und Kommunikationsraum zugleich. Während die Berge die Mobilität verhindern, schaffen Täler natürliche Achsen für Austausch und Kommunikation.

Das tief in das Alpeninnere reichende Alpenrheintal bildet von Norden her gesehen den wichtigsten Zugang in die Zentralalpen und führt direkt in das südalpine Gebiet zwischen Lago Maggiore und Lago di Como. Diese zentrale Achse wurde in prähistorischer Zeit als Siedlungsraum genutzt und bildete eine alpine Transitroute par excellence. 

Das Ziel meines Dissertationsprojekts ist eine diachrone Synthese dieser für die Fragen von Mobilität und Kulturtransfer wichtigen Zone zu erarbeiten. Im Fokus stehen das Alpenrheintal und benachbarte inneralpine Tallandschaften sowie die am Ausgang der Traversale liegenden Regionen.

Die Grundlagen bilden Fundmaterial und Befunde von inneralpinen neolithischen und bronzezeitlichen Siedlungsplätzen; für Vergleiche werden die gut erforschten nordalpinen Fundlandschaften an Zürich- und Bodensee sowie die südalpinen zwischen Lago Maggiore und Lago di Como herangezogen. Einzelne Fundplätze des Alpenrheintals werden im Rahmen des Projekts erstmals wissenschaftlich bearbeitet, so dass auch ein Beitrag zur Quellenerschliessung und Chronologie geleistet wird. Schon die neolithischen Funde zeigen aufgrund der Keramikstile Hinweise auf Austausch und Kommunikation zwischen inneralpinen und voralpinen Regionen. Ab der Bronzezeit sind im zentralen Alpenraum klare Einflüsse aus nördlicher und südlicher Richtung spürbar, die für Handelsrouten über die Alpenpässe sprechen. In der Zeit zwischen 3000 und 2500 v.Chr. ist der Voralpenraum massiven Veränderungen unterworfen, welche einen push Effekt in Richtung marginaler, weniger dicht besiedelter Zonen bewirken.
Die grosse Bandbreite an lokalen Ressourcen in neuen Territorien und strategisch gut kontrollierbaren Gebieten suggerieren gleichzeitig einen pull Effekt in Richtung Alpenraum. Mit dem Dissertationsprojekt möchte ich der Frage nachgehen, wie sich transalpine Mobilität archäologisch belegen lässt und wie sich diese im Verlauf der prähistorischen Epochen entwickelte und welche Formen von Kulturtransfer sich daraus ergeben.

Konkret werden folgende Ziele verfolgt:
1. Quellenerschliessung: Bearbeitung wichtiger, unveröffentlichter Fundkomplexe.
2. Chronologie: Klärung der Besiedlungsgeschichte Neolithikum und
Bronzezeit (5500 – 800 v.Chr.).
3. Entwicklung von Modellen zu Mobilität und Kulturtransfer im Alpenraum.

„Chronologie, Mobilität und Kulturtransfer am Beispiel einer inneralpinen Siedlungslandschaft. Eine landschaftsarchäologische Untersuchung des zentralen Alpenraums“ ist ein SNF Doc.CH Projekt p3.snf.ch/project-165306