Institut für Archäologische Wissenschaften

Forschungsprojekte

Montanarchäologische Untersuchungen am Calanda

Abstract

Die Gemeinde Felsberg liegt im Alpenrheintal 3 Kilometer südwestlich von Chur, am Südfuss des Calanda. An der durch grosse Felsstürze und Rüfen geprägten Südflanke befinden sich auf einer Höhe zwischen ca. 1000 und 1900 m ü. M. diverse Stollen, welche zur Erz- und Edelmetallgewinnung angelegt worden waren.

Felsberg, Calanda, Unteri Gruob. 2016.
Corinne Stäheli und Johannes Reich bei der Vermessung am Stolleneingang. Blick gegen Norden.

Die meisten Stollen gehören zum bekannten Goldbergwerk Goldene Sonne und datieren ins 19. Jahrhundert. Ein grundlegendes Ziel des Projekts Goldene Sonne ist eine geodätische Erfassung der historischen Stollen am Calanda. Dazu gehören der Aufbau eines Basisfestpunktfeldes, die Verortung der Fundplätze, die Georeferenzierung und Ergänzung vorhandener Dokumentation (Pläne von Stollensystemen) sowie die kleinräumige Erfassung messtechnisch bisher nicht dokumentierter Strukturen (Pingen, Gebäude). Die Ziele des Projekts bilden Übersichtskarten, detaillierte Pläne und 3D-Modelle der archäologisch relevanten Eingriffe am Calanda.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens werden Prospektionen und Begehungen im Gebiet von bekannten, durch Bergbau entstandenen Strukturen durchgeführt, um Hinweise auf Bergbauspuren zu gewinnen, die älter sein könnten als die meist gut erhaltenen, bisher allgemein als mittelalterlich geltenden Spuren. Bislang sind von den Lagerstätten am Calanda keine prähistorischen Bergbau- oder Verarbeitungshinweise, etwa in Form von Schlackenhalden oder Schmelzplätzen, wie beispielsweise im Oberhalbstein  nachgewiesen, bekannt. Es handelt sich vorläufig um die ältesten Bergbauspuren am Calanda. Erst weitere Prospektionen und montanarchäologische Untersuchungen im Gebiet und an der Peripherie des mittelalterlichen Bergbaus werden es ermöglichen den postulierten prähistorischen Bergbau zu lokalisieren. Kurt Bächtiger hat bereits 1968 den Verdacht geäussert, dass einzelne Stollen am Calanda Spuren aufweisen, die möglicherweise bis in prähistorische Zeit zurückreichen.

Projektrahmen

Das Projekt wurde 2007 durch Mirco Brunner als Schweizer Jugend forscht Projekt ins Leben gerufen und ist seit 2016 als Kooperation zwischen der Universität Bern, IAW und dem Archäologischem Dienst Graubünden aufgegleist. Zugleich ist das Projekt als Lehr- und Forschungsfeldwoche ausgelegt, bei dem die Ausbildung der Studierenden sowie die systematische wissenschaftliche Aufarbeitung der archäologisch relevanten anthropogenen Eingriffe am Calanda im Zentrum stehen. Im Anschluss an die Feldarbeiten (Vermessung und Prospektion) steht die Auswertung der Daten die in Form von Übersichtskarten, detaillierte Plänen und 3D-Modellen ausgearbeitet werden, im Fokus.

Fragestellungen

Konkret werden folgende Fragestellungen verfolgt:
1. Datierung und Chronologie: Wann wurden die Stollen angelegt und wie lange ist ein solcher in Betrieb?
2. Bergbau und Erze: Wo und wie wurden die Erze am Calanda gefunden und abgebaut?
3. Welche Ausmasse weist der Bergbau am Calanda auf?
4. Welche archäologischen Zeugnisse (Stollen, Pingen, Knappenhaus, Knappenweg) sind am Calanda nachweisbar?
5. Inwiefern können die archäologischen Zeugnisse am Calanda mit den vorhandenen schriftlichen Quellen in Zusammenhang gebracht werden?

Ziele

Ziel des Projekts ist eine geodätische Erfassung der historischen und prähistorischen Stollen am Calanda. Dazu gehören der Aufbau eines Basisfestpunktfeldes, die Verortung der Fundplätze an sich, die Georeferenzierung und Ergänzung vorhandener Dokumentation (Pläne von Stollensystemen) sowie die kleinräumige Erfassung messtechnisch bisher undokumentierter Strukturen (Pingen, Knappenhäuser usw.). Die Ergebnisse des Vorhabens sind Übersichtskarten, detaillierte Pläne und 3D-Modelle der archäologisch relevanten anthropogenen Eingriffe am Calanda.

Projektleitung

Mirco Brunner
Archäologe, IAW Universität Bern
mirco.brunner@iaw.unibe.ch

Anja Buhlke
Diplom – Ingenieurin (FH) Kartographie und Grabungstechnik