Institut für Archäologische Wissenschaften

Römische Heil- und Thermalbäder

Heilbäder: ein diachroner und interdisziplinärer Blick auf ein kulturgeschichtliches Phänomen

Die seit 2006 zu den römischen, mittelalterlichen und neuzeitlichen Thermalbädern in Baden AG laufenden Forschungen der Kantonsarchäologie Aargau geben Anlass zu einer vertieften Beschäftigung mit dem Thema «Heilbäder».

Im Zentrum stehen dabei zum einen die römische Heilthermen und Heilthermenorte als besondere Form römischer Badeanlagen und Siedlungen. Zum anderen gilt das Augenmerk der Archäologie des epochenübergreifenden kulturhistorischen Phänomens der Heilbäder und der damit verbundenen materiellen Spuren sowie der kulturellen und sozialen Praktiken.

Archäologische Grabungen im Areal der römischen Thermenanlage. Aufnahme aus dem Jahr 2011. © Kantonsarchäologie Aargau/Samuel Mühleisen

Die Forschungen in und zu Baden verfolgen einen interdisziplinären Ansatz mit dem Einbezug historischer, kunst- und architekturhistorischer, medizinhistorischer und hydrogeologischer Grundlagen. Besonderes Merkmal der Arbeiten ist die diachrone Betrachtung der funktionalen und baulichen Entwicklung der Badener Bäder von der Antike bis zur Moderne.   

Rückgrat des Forschungsprojekts bildet die laufende Auswertung der Grabungen 2009–2012 und 2018 im Rahmen einer Dissertation und eines Publikationsvorhabens der Kantonsarchäologie Aargau.

Baden (AG) um 1620–1640 auf einem Kupferstich von Matthäus Merian. Im Vordergrund die Grossen und Kleinen Bäder beiderseits der Limmat; im Hintergrund die Stadt. Unterhalb der Legende ist die Isis-Inschrift abgebildet, die einen der römischen Isis gewidmeten Tempel in Baden erwähnt. © Historisches Museum Baden, Grafische Sammlung.

Lehre - Forschung - Vernetzung

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung im Herbstsemester 2021 sollen die archäologischen Grundlagen zu Heilbädern von der römische Kaiserzeit bis in die Neuzeit erarbeitet werden. Weitere Veranstaltungen u.a. ein internationales Forschungskolloquium zum Thema sind in Planung.

Nach Möglichkeit erhalten Studierende Gelegenheit zur Mitarbeit an Forschungs- und Feldarbeiten in und zu Baden.

Das Forschungsprojekt ist mit Referaten und Präsentationen an Fachtagungen im In- und Ausland präsent.

Werbeplakat um 1900. Das antike Erbe der Badener Bäder wird auch hier konnotiert und ist Marke und Qualitätsmerkmal zugleich. © Stadtarchiv Baden.

Links

Forschungsprojekt «Bäder Baden» (Website der Kantonsarchäologie Aargau)

Dissertationsprojekt von Andrea Schär  

Eine noch im Aufbau befindliche Networking-Plattform zum Thema römischer Thermal- und Heilbäder bietet die von der Universität Madrid betriebene, englischsprachige Website «Healing Spas in Antiquity».

Baden, Verenabad, Aquarell um 1820 nach einer Zeichnung von Ludwig Vogel. Das ursprünglich römische Bad wurde bis 1844 benutzt und ist eines der Wahrzeichen der Badener Bäder. © Historisches Museum Baden, Grafische Sammlung.

Literatur

A. Schaer: Und plötzlich lag es vor uns! Das legendäre Verenabad wiederentdeckt. In: Badener Neujahrsblätter 96, 2021, 83–90.

A. Schaer: Der Wissensquell. Ein Plädoyer für das Badener Bäderwissen. In: In: Badener Neujahrsblätter 96, 2021, 127–134.

A Schaer: Die Bäder von Baden in der Schweiz im Licht der aktuellen archäologischen und kulturgeschichtlichen Forschung. In: Siedlungsforschung. Archäologie – Geschichte – Geografie 35, 2018. Bonn 2019. 91-123.

A. Schaer: Baden AG: vom Wildbad zum Kurort. In: Archäologie Schweiz/Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit/Schweizerischer Burgenverein (Hrsg.): Die Schweiz von 1350 bis 1850 im Spiegel der Archäologischen Quellen. Akten des Kolloquiums Bern 25.–26. Januar 2018. 199–208.

A. Schaer: Es geht weiter in Aquae Helveticae ! – Fortsetzung der Ausgrabungen in den Badener Bädern. In: archäologie schweiz as.41.2018.3, 42.

A. Schaer: Die Bäder : 2000 Jahre Bühne der Badekultur. In: F. Furter / B. Meier / A. Schaer / R. Wiederkehr: Badener Stadtgeschichte. Hier und Jetzt, Baden 2015, 8-93.

A. Schaer: Das Gewebe der Stadt. In: H. Pösche (Hrsg.): Thermae in Context. Akten zur Internationalen Tagung vom 21.-24. Februar 2013 in Luxemburg. Archaeologia Moselliana 10, 2018, 293–330.

A. Schaer: Die aktuellen Ausgrabungen in den römischen Thermen von Aquae Helveticae/Baden (Kanton Aargau, Schweiz): Ein Beitrag zur Diskussion des Beginns der Thermen und der Siedlung. In: Landeshauptstadt Wiesbaden (Hrsg.): Die frühe römische Besiedlung - 2000 Jahre Wiesbaden? Tagungsakten des Symposiums vom 17. Mai 2014. Publikation im Druck.

A. Schaer / R. Stapfer / R. Fuchs: Zum Stand der Forschungen in den Badener Bädern. Ein Werkstattbericht. In: archäologie schweiz as.37.2014.3, 16–25.

A. Schaer: Neue Betrachtungsmöglichkeiten zur Baugeschichte des Badener Bäderquartiers in Mittelalter und Neuzeit. Argovia 125, 2013, 192–211.

A. Schaer: Die aktuellen Ausgrabungen im Badener Bäderquartier. Badener Neujahrsblätter 2011, Baden 2010. 169–177.

A. Schaer: Das Dornröschen. Eine archäologische Bestandesaufnahme im Badener Bäderquartier.

In: Ch. Ebnöther / R. Schatzmann (Hrsg.): Oleum non perdidit. Festschrift für Stefanie Martin-Kilcher zu ihrem 65. Geburtstag. Antiqua 47. Basel 2010. 45–57.

A. Schaer; mit einem Beitrag von M. Botta: Mit der Vergangenheit in die Zukunft. 2000 Jahre Bäderkultur in Baden. In: archäologie schweiz as. 33.2010.1, 24–30. Als Zweitpublikation in den Badener Neujahrsblätter 86, 2011, 155–168

Baden, Kurplatz im August 2020. Vor dem eingerüsteten Hotel Verenahof sind die freigelegten Ruinen des Verenabades sichtbar. © Kantonsarchäologie Aargau/Samuel Mühleisen.
Lucas Cranach der Ältere, «Der Jungbrunnen» 1546 (Gemäldegalerie Berlin). Das Bild zeigt ein als Jungbrunnen idealisiertes Heilbad.